Flieg‘ nicht so laut, mein kleiner Freund

Antares fliegt: Unter dem linken Flügel sitzt die Brennstoffzelle, unter dem rechten ein Tank für bis zu 4,9 Kilogramm Wasserstoff. (Foto: DLR)

Antares fliegt: Unter dem linken Flügel sitzt die Brennstoffzelle, unter dem rechten ein Tank für bis zu 4,9 Kilogramm Wasserstoff. (Foto: DLR)

Während die Brennstoffzelle im Auto ziemlich tot ist (Akkus und Hybride stehen dort gerade hoch im Kurs), könnte ihr ausgerechnet im Flugzeug die Zukunft gehören: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat heute in Hamburg seinen ersten Flieger vorgestellt, der sich allein mit der Kraft einer Brennstoffzelle in die Lüfte erhebt – und auch dort bleibt. Antares DLR-H2, wie der Motorsegler mit vollem Namen heißt, lässt dabei Sauerstoff aus der Luft elektrochemisch mit reinem Wasserstoff reagieren, den er in einem Tank unter seinem Flügel mit sich herum trägt. Dabei kann er eine Leistung von bis zu 25 Kilowatt (oder 34 PS) erzeugen.

Für den Antrieb ausgewachsener Passagierjets sind Brennstoffzellen (noch) keine Alternative. Mit Antares wollen die DLR-Forscher zunächst einmal zeigen, dass solche Aggregate mit ihrer kontrollierten Knallgas-Explosion überhaupt flugtauglich sind. Erstmals zum Einsatz könnte sie dann am Boden kommen: Bislang werden Jets, solange ihre Triebwerke nicht laufen, von sogenannten Auxiliary Power Units, kurz APU, mit Strom versorgt – kleinen, meist im Heck montierten Gasturbinen, die auf Flugplätzen für jede Menge Lärm und Gestank verantwortlich sind. Brennstoffzellen dagegen würden lautlos arbeiten und nur Wasserdampf erzeugen.

Die Brennstoffzelle im Frachtraum des Forschungsflugzeugs ATRA. (Foto: Airbus Deutschland)

Die Brennstoffzelle im Frachtraum des Forschungsflugzeugs ATRA. (Foto: Airbus Deutschland)

Vergangenes Jahr hat das DLR auf der Berliner Luftfahrtausstellung ILA zudem sein neues Forschungsflugzeug ATRA vorgestellt. Im Frachtraum des umgebauten Airbus A320 arbeitet bereits eine 20-Kilowatt-Brennstoffzelle. Sie könnte künftig einspringen, wenn beide Triebwerke während des Fluges ausfallen und somit weder Hydraulikdruck noch Strom erzeugt wird. Bislang haben Flugzeuge für solche Notfälle eine kleine, ausklappbare Hilfsturbine – die Ram Air Turbine (RAT, im Deutschen auch liebevoll „Ratte“ genannt). Eine Brennstoffzelle könnte solche Aufgaben deutlich eleganter lösen.

Fliegende Brennstoffzellen sind indes nichts Neues: Bereits die amerikanischen Gemini-Kapseln Mitte der 60er Jahre bekamen ihren Strom aus Brennstoffzellen, die kurzzeitig bis zu ein Kilowatt liefern konnten. Auch zum Mond sind die Zellen schon geflogen, genauso wie in allen Raumfähren der Space-Shuttle-Ära. Wobei vor 30 oder 40 Jahren, bei der Entwicklung solcher Systeme, nicht unbedingt auf jeden Penny geschaut werden musste.

Bertrand Piccards Sonnenflieger "Solar Impulse". (Foto: Solar Impulse/Stéphane Gros)

Bertrand Piccards Sonnenflieger "Solar Impulse". (Foto: Solar Impulse/Stéphane Gros)

Ein wenig hat dem DLR allerdings ein anderer die Schau gestohlen: Vor elf Tage stellte der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard den Prototypen eines Solarfliegers namens Solar Impulse vor, mit dem er erstmals Tag und Nacht rund um die Welt fliegen will. So manche Redaktion wird sich da angesichts Antares gedacht haben: Ah geh, schon wieder so ein Öko-Flieger, lass mal. Eigentlich zu Unrecht, denn das Brennstoffzellenkonzept ist nicht nur technologisch deutlich interessanter als Piccards Solarzellen, Antares kann im Gegensatz zu Solar Impulse auch schon fliegen.

Die Vorstellung von "Solar Impulse" vor elf Tagen in Dübendorf. (Foto: Solar Impulse/Stéphane Gros)

Medienauflauf bei der Vorstellung von "Solar Impulse" vor elf Tagen in Dübendorf. (Foto: Solar Impulse/Stéphane Gros)

Die bessere Show hat aber, sorry, eindeutig Piccard geboten: Während die Schweizer mit ihrem Sonnensegler gleich einen neuen Rekord aufstellen wollen, möchten die Deutschen Testrunde um Testrunde auf dem Hamburger Flughafen drehen. Während Solar Impulse die Welt vor dem Untergang, zumindest aber vor fossilen Energien retten soll (zumindest beim Versuch, Sponsoren für das 70-Millionen-Euro-Projekt zu gewinnen, macht sich so etwas immer gut), soll Antares die Flugtauglichkeit von Brennstoffzellen beweisen. Und während bei der Vorstellung von Solar Impulse mehr als 800 geladene Gäste, Josef Ackermann und Seine Durchlauchtigste Hoheit Fürst Albert II. von Monaco vorbei schauten, kam zu Antares Ole von Beust.

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