Teile und fliege

Objekt der Begierde: Europa und Amerika will zum Mars - künftig auch gemeinsam. (Foto NASA, J. Bell/Cornell U., M. Wolff/SSI)

Objekt der Begierde: Europa und Amerika wollen zum Mars - künftig auch gemeinsam. (Foto NASA, J. Bell/Cornell U., M. Wolff/SSI)

Die Esa will zum Mars – und hat kein Geld für ihren ExoMars-Rover. Die Nasa will zum Mars – und hat kein Geld für ihr Mars Science Laboratory (MSL). Was liegt da näher, als sich zusammenzutun – auch auf die Gefahr hin, letztlich gemeinsam kein Geld zu haben. Esa und Nasa haben am Mittwoch genau das getan und beschlossen, künftig zusammen zum Roten Planeten zu fliegen.

Die gemeinsame Presseerklärung ist – erwartungsgemäß – ziemlich dünn, konkrete Missionen werden nicht angekündigt, es sollen lediglich Startmöglichkeiten in den Jahren 2016, 2018 und 2020 ins Auge gefasst werden (gut alle zwei Jahre ist der Mars von der Erde aus ohne große Umwege zu erreichen). Immerhin eine Arbeitsgruppe ist dafür schon mal eingerichtet worden.

Dabei fangen die Probleme schon viel früher an:

Europas Sorgenkind: "ExoMars" (Bild: ESA/AOES Medialab)

Europas Sorgenkind: "ExoMars" (Bild: ESA/AOES Medialab)

Der europäische ExoMars-Rover sollte ursprünglich schon 2011 losfliegen, mittlerweile ist der Start für 2016 geplant. Aus Projektkosten von ursprünglich 650 Millionen Euro sind inzwischen über 1,2 Milliarden geworden. Ganz besonders die Briten machen sich innerhalb der Esa für den Rover stark – nicht zuletzt, um die Schmach der 2003 auf dem Mars verschollenen und in Großbritannien entwickelten Landesonde Beagle 2 zu tilgen. Beim Esa-Ministerrat vergangenen November kamen aus den Mitgliedsländern trotzdem nur 850 Millionen zusammen. Vor allem Deutschland, so war zu hören, soll sich geweigert haben, zusätzliches Geld bereitzustellen. Esa-Chef Dordain machte bei dem Treffen klar, dass sich ExoMars nur mit internationaler Hilfe verwirklichen lässt.
Doch selbst wenn die Nasa nun einsteigt, löst das nur einen Teil der Probleme. Denn die Amerikaner werden das nicht völlig selbstlos tun. Sie werden entweder den Rover mit einer amerikanischen Rakete starten wollen, ihre eigenen Kameras unterbringen oder ein komplett neues Design umsetzen.

Amerikas Sorgenkind: "Mars Science Laboratory" (Bild: Nasa/JPL-Caltech)

Amerikas Sorgenkind: "Mars Science Laboratory" (Bild: Nasa/JPL-Caltech)

Das amerikanische Mars Science Laboratory, mittlerweile offiziell Curiosity getauft, sollte eigentlich schon in diesem Herbst starten. Wegen technischer Probleme ist nun ein Abflug im Herbst 2011 geplant. Aus den ursprünglichen Kosten von etwa 1,6 Milliarden Dollar sind mittlerweile (so der Stand bei der Pressekonferenz im vergangenen Dezember) 2,3 Milliarden geworden. Die Finanzierung ist noch immer nicht gesichert. Theoretisch wäre MSL auch ein Kandidat für eine gemeinsame Mission im Jahr 2016. Das macht sie Situation für die Europäer nicht einfacher.

Ohne Frage: Internationale Kooperationen in der Raumfahrt sind sinnvoll, ja überfällig. Was die Teilchenphysiker mit dem LHC längst verinnerlicht haben, was Astronomen – mit ALMA und hoffentlich auch dem nächsten Riesenteleksop – gerade lernen, setzt sich langsam auch in der Raumfahrt durch: Die ganz großen Fragen und Entdeckungen können nur noch gemeinsam in Angriff genommen werden.

Für die Nasa ist die Öffnung nach Europa ein wichtiger Schritt, der der aufs nationale Prestige bedachten Agentur sicherlich nicht leicht gefallen ist. Viel weiter soll’s aber auch nicht gehen. Im Gespräch mit BBC News spricht Nasa-Wissenschaftschef Ed Weiler explizit von einem gemeinsamen „Mars-Programm der westlichen Hemisphäre“. Aber was spricht (vom eigenen Stolz und antiquierten Exportbeschränkungen mal abgesehen) dagegen, auch Russland und China mit an Bord zu nehmen? Beide Staaten haben ambitionierte Pläne – und ebenfalls kein Geld.

Die Aufgaben jedenfalls werden auch nach 2016 nicht kleiner: Der große Traum aller Marsforscher ist es, irgendwann nach 2020 die ersten Bodenproben vom Roten Planeten zur Erde zu bringen. So eine Mission dürfte nach amerikanischen Schätzungen locker acht Milliarden Dollar kosten. Das kombinierte Jahresbudget von Nasa und Esa (aus dem alle Programme bezahlt werden müssen) liegt gerade einmal bei etwas mehr als 20 Milliarden Dollar.

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