Mond-Splitter (II): Segelnde Schweizer

Buzz Aldrin entrollt auf dem Mond das Schweizer Sonnensegel. (Foto: Nasa)

Buzz Aldrin entrollt auf dem Mond das Schweizer Sonnensegel. (Foto: Nasa)

Wer hat’s erfunden? Genau: Das erste wissenschaftliche Experiment, das auf dem Mond von Menschenhand aufgestellt wurde, kam natürlich aus der Schweiz.

Nicht einmal 20 Minuten, nachdem Buzz Aldrin seinen linken Fuß auf den Mond gesetzt hatte, begann er damit, ein in Bern entwickeltes Sonnensegel zu entrollen. Die dünne Aluminiumfolie sollte den Sonnenwind einfangen – und führte beinahe zu diplomatischen Verwicklungen.

Die Sonne schleudert unablässig einen Strom geladener Teilchen ins All, der auf der Erde allerdings nicht ankommt: Das irdische Magnetfeld und die Atmosphäre schlucken die Partikel beziehungsweise lenken sie ab. Auf dem Mond passiert das nicht. Daher waren die Schweizer auf die Idee gekommen, den Sonnenwind mit einer dünnen Alufolie einfangen, die gesammelten Teilchen zur Erde zu bringen und dort zu untersuchen. Um während des nur zweieinhalbstündigen Außeneinsatzes von Apollo 11 so viele Partikel wie möglich zu erwischen, sollte das Segel umgehend entrollt werden. Und hier begann das Problem.

Die Amerikaner waren gar nicht begeistert: Da das US-Mondabenteuer eindeutig politisch motiviert war – es galt, im Wettlauf zum Mond die Russen zu schlagen – und Wissenschaft nur nebenbei betrieben wurde, wollte die Nasa den Außeneinsatz ganz patriotisch beginnen. Die amerikanische Flagge sollte in den Mondboden gerammt werden – und nicht irgendein schnödes Sonnensegel, das noch dazu von einem weit entfernten Bergvolk gebaut worden war.

Buzz Aldrins Checkliste. An zweiter Stelle: "Deploy SWC" (Klicken zum Vergrößern). (Foto: Nasa)

Buzz Aldrins Checkliste. An zweiter Stelle: "Deploy SWC" (Klicken zum Vergrößern). (Foto: Nasa)

Johannes Geiss, wissenschaftlicher Vater der Sonnensegel-Idee und heute Ehrendirektor des International Space Science Institute in Bern, konnte sich letztlich aber durchsetzen. „Nach langem Hin und Her hat die Wissenschaft über die Politik gesiegt“, erzählte er der Berner Zeitung. Und so stand auf Aldrin Checkliste, die am Unterarm seines Anzugs festgenäht war, direkt nach „ENVIR FAM“, also der Gewöhnung an die Verhältnisse auf dem Mond („Environmental Familiarization“), bereits „DEPLOY SWC“: die Montage des Sonnensegels („Solar Wind Collector“). Erst sieben Minuten später wurde der Sternenbanner entrollt.

Darauf, ihre weithin sichtbare Aluminiumfolie mit einer Schweizerfahne zu verzieren, haben die Berner Forscher – auch wenn die Verlockung groß war – dann doch verzichtet.

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