Mond-Splitter (IV): Von Präsidenten und Plaketten

Die "Apollo 11"-Plakette vor ihrem Flug zum Mond. (Klicken zum Vergrößern, Foto: Nasa)

Die "Apollo 11"-Plakette vor ihrem Flug zum Mond. (Klicken zum Vergrößern, Foto: Nasa)

Wenn eines Tages ein Vertreter jener seltsamen Spezies der Graphologen auf dem Mond landen und zur Landestelle von Apollo 11 pilgern würde, er könnte bestimmt sofort sagen, wer damals als Erster den Mond betreten durfte und wer einsam und verlassen um den Erdtrabanten kreisen musste. Denn seinem vermeintlich geschulten Auge würde eine unscheinbare Plakette sicher nicht entgehen – versehen mit vier Unterschriften.

„Here men from the planet earth first set foot upon the moon, July 1969 A.D. We came in peace for all mankind“, ist auf der Edelstahl-Plakette zu lesen. Darunter findet sich die ausladende, heftig geschwungene Unterschrift von Armstrong, ein unscheinbares Gekrakel von Collins und das nur geringfügig schönere Autogramm von Aldrin, der damals noch mit seinem ursprünglichen Namen unterschrieb und als einziger Wert auf den Anfangsbuchstabe seines zweiten Vornamens legte (das Jr. hat er sich dann doch verkniffen).

Die Plakette, die zwischen zwei Sprossen der Leiter zur Landefähre angebracht ist, wurde während des Flugs von  einer dünnen Platte aus Edelstahl geschützt. Es gehörte zu einer der ersten Aufgaben Armstrongs, diese Abdeckung mehr oder weniger feierlich zu entfernen und den Text der Plakette vorzulesen – als Service für die Zuschauer an den Geräten zuhause. Eine Aktion, die auch nur er in Angriff nehmen konnte. Aldrin wird später erzählen, dass die Enthüllung so kurzfristig in die Aufgabenliste aufgenommen worden war, dass er keine Ahnung gehabt hätte, wie man die Abdeckung öffnet.

Bitte nicht füttern: Richard Nixon spricht zu den Astronauten in ihrer mobilen Quarantäne-Box. (Foto: Nasa)

Bitte nicht füttern: Richard Nixon spricht zu den Astronauten in ihrer mobilen Quarantäne-Box. (Foto: Nasa)

Noch eine Unterschrift ziert die Plakette, über deren Urheber unser Graphologe sicher nur Gutes berichten würde: Die Geschichte wollte es so, dass zum Zeitpunkt der Mondlandung weder John F. Kennedy, der in höchster politischer Bedrängnis die Mondlandung zum nationalen Ziel erkoren hatte, als US-Präsident im Amt war noch sein Nachfolger Lyndon B. Johnson, Zeit seines politischen Lebens ein energischer Verfechter des Raumfahrtprogramms im allgemeinen und des Raumfahrtzentrums im heimischen Houston im speziellen. Stattdessen durfte sich ausgerechnet Richard Milhous Nixon, der 1960 bei der Präsidentschaftswahl noch gegen Kennedy verloren hatte, im Erfolg der Mondlandung sonnen.

Und das ließ er sich nicht nehmen. Kurz nachdem Armstrong und Aldrin die US-Flagge auf dem Mond aufgestellt hatten, wurden sie von Houston vor die Kamera dirigiert. Die Redenschreiber von „Tricky Dick“ hatten dem Präsidenten ein paar der Situation angemessene Sätze aufgeschrieben:

Hello, Neil and Buzz. I’m talking to you by telephone from the Oval Room at the White House, and this certainly has to be the most historic telephone call ever made. I just can’t tell you how proud we all are of what you (garbled). For every American, this has to be the proudest day of our lives. And for people all over the world, I am sure they, too, join with Americans in recognizing what an immense feat this is. Because of what you have done, the heavens have become a part of man’s world. And as you talk to us from the Sea of Tranquility, it inspires us to redouble our efforts to bring peace and tranquility to Earth. For one priceless moment in the whole history of man, all the people on this Earth are truly one; one in their pride in what you have done, and one in our prayers that you will return safely to Earth.

Armstrong bedankte sich artig, gleich zweimal sprach er von einer „großen Ehre“. Später wird er, wie das Apollo Lunar Surface Journal vermerkt, berichten: „Wir lagen hinter unserem Zeitplan zurück.“ Und Aldrin wird ergänzen: „Und das Oval Office hat uns noch weiter hinter den Plan zurückgeworfen.“

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