Buzz Aldrin: „Wir sollten nicht davon besessen sein, zum Mond zurückzukehren“

Buzz Aldrin, promovierter Raumfahrtingenieur und pensionierter Luftwaffen-Oberst, betrat am 21. Juli 1969 um 4.11 Uhr deutscher Zeit als zweiter Mensch den Mond. (Foto: StarBuzz LLC)

Buzz Aldrin, promovierter Raumfahrtingenieur und pensionierter Luftwaffen-Oberst, betrat am 21. Juli 1969 um 4.11 Uhr deutscher Zeit als zweiter Mensch den Mond. (Foto: StarBuzz LLC)

Mr. Aldrin, wie groß war die Enttäuschung, als sie vor 40 Jahren erfuhren, dass Neil Armstrong vor Ihnen den Mond betreten darf?

Kurz bevor die Entscheidung fiel, sagte ich zu meiner damaligen Frau: Vielleicht wäre es besser, wenn ich bei der ersten Landung überhaupt nicht dabei wäre. Dann müsste ich mich nicht mit Posieren und Repräsentieren abgeben, sondern könnte auf dem Mond interessante Dinge anstellen. Klingt das nach jemandem, der auch noch die zusätzliche Aufmerksamkeit des ersten Ausstiegs auf sich ziehen will?

Sie hatten Angst, sich vor 500 Millionen Fernsehzuschauern zu blamieren?

Angst würde ich nicht sagen, aber es war in meinen Augen eine große Herausforderung. Und Neil Armstrong hat einen wunderbaren Job gemacht, indem er die richtigen Worte zur richtigen Zeit gesagt hat: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit“.

Was hätten Sie an seiner Stelle gesagt?

Zum Glück musste ich mir das nie überlegen. Ich hätte mich unzulänglich gefühlt und andere Menschen um Rat gefragt. Warum sollte man von einem Kampfpiloten auch erwarten, sich ganz allein einen Satz für die Ewigkeit auszudenken?

Es hätte ja auch schlimmer kommen können: Ihr Apollo-11-Kollege Michael Collins musste allein in der Kommando-Kapsel um den Mond fliegen, während sich der Rest der Crew auf der Oberfläche vergnügte. Hatten Sie Mitleid mit Collins?

Nein, ich fühlte mich einfach sehr glücklich, selbst am richtigen Ort zu sein.

Und anschließend waren Sie ein Held.

Nicht für alle Amerikaner. Unser erster großer öffentlicher Auftritt, nachdem wir aus der Quarantäne entlassen wurden, führte uns an eine Universität in Wisconsin, wo wir für unsere Leistungen ausgezeichnet werden sollten. Dort angekommen, wurden wir von den Studenten mit Eiern beworfen – schließlich repräsentierten wir das Establishment. Es war die Zeit, in der alle Autoritäten in Frage gestellt wurden.

Wie haben Sie reagiert?

Ich war Soldat, deshalb fand ich das alles extrem seltsam. Rückblickend würde ich auch sagen, dass es eine sehr traurige Zeit war.

Was erwidern Sie eigentlich Menschen, die behaupten, Buzz Aldrin und all die anderen Astronauten waren nie auf dem Mond?

Ich rede nicht mit denen. Warum sollte ich auch? Diese Menschen benutzen mich, um Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. So jemand tut mir einfach nur leid.

John Glenn, der als erster amerikanischer Astronaut die Erde umrundete, ist im Alter von 77 Jahren noch einmal in den Weltraum geflogen. Sie sind Anfang des Jahres 79 geworden. Hat es Sie niemals gereizt, ein weiteres Mal ins All zu starten?

Nein. Ich glaube, dass ich eine einzigartige Art habe, in die Zukunft zu schauen, dass ich stets am besten darin war, mir Gedanken darüber zu machen, wie wir Dinge künftig angehen sollten. Deshalb habe ich mich nach meiner Zeit bei der Nasa um Ideen für kommende Raumfahrt-Missionen gekümmert – und mich dabei sehr wohl gefühlt.

Großes Interesse an ihren Überlegungen scheint die Nasa aber nicht gehabt zu haben?

Das ändert sich langsam. Damals arbeitete ich an Projekten, die 15 oder 20 Jahre in der Zukunft lagen: an wiederverwendbaren Raketen, an neuartigen Raumfahrzeugen, an Touristenflügen. Nun holt mich die Realität langsam ein und ich bin zuversichtlich, dass vieles davon gemacht wird. Natürlich kann ich niemanden zwingen, aber ich wäre bitter enttäuscht, wenn sich die Menschen nicht für solche Konzepte entscheiden würden.

Gehörte eine Rückkehr zum Mond, wie sie die Nasa derzeit plant, auch zu Ihren Ideen?

Das ist verrückt. Wir sollten nicht davon besessen sein, zum Mond zurückzukehren – nur um dieses Mal China zuvorzukommen, das ebenfalls bemannte Missionen plant. So einen Wettlauf braucht niemand. Die Russen planen, im Herbst eine Sonde zum Marsmond Phobos zu schicken und Bodenproben zur Erde bringen soll. Genau solche Missionen, sollten die USA in Angriff nehmen.

Europa und Amerika diskutieren darüber, künftig bei der Erforschung des Mondes zusammenzuarbeiten. Sind solche Missionen zu aufwendig für ein Land allein?

Ich glaube nicht. Sicher, viele Menschen werden sagen: Lasst das alle Nationen gemeinsam machen und lasst uns abstimmen, wie die Mission aussehen wird. Aber das gibt Chaos, das wäre wie bei den Vereinten Nationen. Jeder schaut nur auf sich und niemand fühlt sich verantwortlich für die übergeordneten Fragen und für die Richtung, in die das alles gehen soll.

Die Raumfahrt braucht jemanden, der den Ton angibt?

Ja, und diese Rolle sollte Amerika wieder einnehmen. Im Kalten Krieg wurden wir herausgefordert und haben geantwortet. Das hat den USA die Führung in der Raumfahrt gebracht. Durch nicht sehr scharfsichtige Manöver, durch die Beschränkung auf den Space Shuttle und jetzt auf den Mond, haben wir diese Rolle so gut wie verloren. Das muss sich ändern.

Das Interview ist Anfang des Jahres anlässlich der Deutschland-Premiere des Films „Im Schatten des Mondes“ entstanden, in dem Aldrin zusammen mit neun anderen Apollo-Astronauten seine Erlebnisse schildert. Pünktlich zum 40. Jahrestag der Mondlandung ist der Film nun auch auf DVD erschienen.

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