Koreaner im Kosmos

"Naro-1" soll Südkorea den Weg in den Club der Raumfahrtnationen ebnen. Bislang war das Land auf Mitflüge in fremden Raketen angewiesen. (Foto: Kari)

"Naro-1" soll Südkorea den Weg in den Club der Raumfahrtnationen ebnen. Bislang war das Land auf Mitflüge in fremden Raketen angewiesen. (Foto: Kari)

Wenn etwas die Raumfahrt in den vergangenen 50 Jahren vorangebracht hat, dann waren das weder der menschliche Entdeckergeist oder die wissenschaftliche Neugier – sondern schlicht und einfach erbitterte Konkurrenz: Ohne das Wettrüsten zwischen der Sowjetunion und den USA wäre Juri Gagarin nie als erster Mensch ins All geflogen. Ohne die missglückte Invasion in der Schweinebucht hätte John F. Kennedy nicht die Flucht nach vorne antreten und eine so verrückte Idee wie die Mondlandung ankündigen müssen. Ohne die Angst, russische Experten nach dem Zusammenbruch des Ostblocks an Schurkenstaaten zu verlieren, hätte Bill Clinton aus der Idee einer US-Raumstation niemals ein internationales Projekt gemacht. Und auch beim jüngsten Anwärter auf einen Platz im Club der Raumfahrtnationen spielen Prestige und Konkurrenz wieder die Hauptrolle: Südkorea will ins All.

Naro-1, wie die gut 30 Meter hohe südkoreanische Rakete heißt, sollte heute erstmals in Richtung Weltraum abheben. Doch nachdem das Projekt zuvor bereits mit zahlreichen Verschiebungen zu kämpfen hatte, musste auch der siebte Startversuch der 400-Millionen-Dollar-Rakete wegen eines wahrscheinlich defekten Ventils abgebrochen werden.

Früher oder später wird es Südkorea aber schaffen – schon allein, um dem Intimfeind nördlich der Grenze eins auszuwischen: Nordkorea arbeitet nämlich nach eigenem Bekunden ebenfalls an einem Raumfahrtprojekt. Vergangenen April will der kommunistische Staat sogar bereits seinen ersten Satelliten ins All geschossen haben. USA und Südkorea wollen das nicht glauben. Sie behaupten, dass es sich bei dem Start lediglich um einen verkappten Test einer ballistischen Rakete gehandelt habe.

Wettlauf in Fernost?

Nord- und Südkorea sind nicht die einzigen Staaten im fernen Osten, die an einem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm arbeiten. China hat sich einen auf zwei Jahrzehnte angelegten Masterplan verordnet, den das Land akribisch abarbeitet und der 2020 den ersten Chinesen auf den Mond führen soll. Indien möchte dem nicht nachstehen und denkt ebenfalls an ein bemanntes Raumfahrtprogramm. Und Japan will sich vom chinesischen Erzfeind auf gar keinen Fall düpieren lassen.

Warum das auch außerhalb Asiens interessant ist? Weil sich nicht wenige Raumfahrtmanager erhoffen, dass im Osten ein neuer (Mini-)Wettlauf in Gang kommt, der nach und nach auch die großen Raumfahrtnationen mitreißt. Denn dort herrscht derzeit Lethargie. Statt Wettlauf und Konkurrenz sind Sparzwang und Kooperationen angesagt: Europa startet seine Wissenschaftsmissionen mit russischen Raketen, bringt seine Astronauten mit dem amerikanischen Space Shuttle ins All, greift auch mal auf eine indische Rakete zurück. Wenn die Shuttles nächstes Jahr eingemottet werden, müssen die Amerikaner zwangsläufig mit den russischen Sojus-Kapseln ins All fliegen.

Tote Hose statt roter Gefahr

Kann China, können Indien und Südkorea, da neuen Schwung hineinbringen? Bislang sieht es nicht danach aus. Selbst China taugt kaum mehr als Gegner: Beim nächsten Flug eines chinesischen Raumschiffs werden 17 Experimente aus Deutschland an Bord sein. Sogar in den USA wird laut darüber nachgedacht, die strengen Exportbestimmungen, die jede technische Zusammenarbeit mit China verbieten, zugunsten der Raumfahrt zu lockern.

Wie wenig die rote Gefahr verfängt, musste zuletzt auch Michael Griffin, bis Anfang des Jahres Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, feststellen. In der Hoffnung, seine Landsleute dadurch zur Eile treiben zu können, prophezeite er vergangenen Sommer: „Ich glaube, die Chinesen werden vor uns auf dem Mond landen.“ Und Griffin fügte scharfzüngig hinzu: „Das wird den Amerikanern nicht gefallen, aber sie werden damit leben müssen.“ Ein politischer Aufschrei in den USA blieb dennoch aus.

Heute hat Griffins Nachfolger Charles Bolden mit noch größeren Problemen zu kämpfen: US-Präsident Barack Obama stellt derzeit – Wettlauf hin oder her – das komplette amerikanische Mondprogramm auf den Prüfstand. Eine zehnköpfige Kommission soll entscheiden, ob die USA überhaupt wieder zum Erdtrabanten fliegen sollen. Noch wird beraten. Der Ausgang ist völlig offen – von einer 33 Meter hohen Rakete aus Korea dürften sich die Experten allerdings kaum beeindrucken lassen.

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