Der letzte Clown im All?

Guy Laliberté, früherer Straßenclown und heutiger Milliardär, soll siebter ISS-Tourist werden. (Foto: One Drop Foundation)

Guy Laliberté, früherer Straßenclown und heutiger Milliardär, soll siebter ISS-Tourist werden. (Foto: One Drop Foundation)

Wer immer auf die Idee kam, die freien Sitzplätze in Russlands Raumschiffen an westliche Touristen zu verscherbeln, er hätte einen hohen russischen Orden verdient: Seit acht Jahren füllt sich die finanziell notorisch klamme Raumfahrtagentur Roskosmos nun schon die Taschen, indem sie zahlungskräftigen Abenteurern eine Mitfluggelegenheit zur ISS anbietet. Mit dem Flug von Cirque-du-Soleil-Gründer Guy Laliberté, der am Mittwochmorgen zur Raumstation starten soll, könnte damit allerdings vorerst Schluss sein. Die Russen haben einen anderen, mächtigen (aber vielleicht nicht ganz so zahlungskräftigen) Geldgeber gefunden: die Nasa.

Die professionellen Astronauten an Bord der ISS dürften darüber nicht traurig sein. Laliberté, der angeblich 35 Millionen Dollar für den elftägigen Aufenthalt im All gezahlt haben soll, hat bereits angekündigt, sie aufs Äußerste zu nerven, sie nachts zu kitzeln und ihnen sogar rote Nasen aufzusetzen. Vielleicht revanchieren sich die Astronauten ja, indem sie den Spaßmacher ohne Raumanzug in die Luftschleuse stecken und langsam den Druck reduzieren. Mal sehen wie lange Laliberté dann noch lacht…

Aber egal. Sollte die Nasa wie geplant nächstes Jahr ihre Shuttle-Flotte einmotten, wird für solche Späße eh kein Platz mehr sein. Sämtliche Plätze in den Sojus-Kapseln, deren Produktionskapazität auf Jahre hinaus ausgebucht sein soll, werden dann für echte Astronauten benötigt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP hat Roskosmos-Sprecher Alexander Worobjow bereits angekündigt: „Derzeit gibt es keine echten Aussichten für den Weltraumtourismus, alles hängt von den Amerikanern ab.“ Sprich: Nur wenn die Nasa ihre Shuttles länger fliegen lässt, könnte auch wieder ein Platz für All-Urlauber frei werden.

Interessenten gibt es einige, allen voran die Ersatzpersonen für die zuletzt geflogenen Touristen: Internet-Ikone Esther Dyson hat das Training bereits einmal durchlaufen, genauso wie der australische Geschäftsmann Nik Halik, dessen Autobiographie den Titel „The Thrillionaire“ trägt. Ersatzfrau für Laliberté ist Barbara Barrett, Gattin des ehemaligen Intel-Chefs Craig Barrett, der heute Wirt einer mehr als exklusiven Lodge in Montana ist.

Auch Google-Gründer Sergei Brin würde gern zur ISS fliegen. Er hat beim orbitalen Reiseveranstalter Space Adventures, der die Flugmöglichkeiten mit Roskosmos aushandelt, bereits fünf Millionen Dollar angezahlt. Allerdings setzt Brin seine Hoffnungen auf eine speziell für Urlauber umgebaute Sojus-Version, in der ein Kosmonaut zwei zahlende Passagiere zur Raumstation chauffiert. 2011 soll der Touristen-Zubringer fertig sein. Und auch wenn derzeit viele Vorhaben in der russischen Raumfahrt verschoben oder beerdigt werden – kommerziell interessante Projekte sind bislang immer ziemlich zuverlässig verwirklicht worden.

[Update, 2. Oktober 2009]: Jetzt ist es offiziell: Space Adventures wird ab 2012 reine Touristenflüge zur ISS anbieten. Einer der beiden Urlauber soll dazu eineinhalb Jahre lang zum Sojus-Flugingenieur ausgebildet werden. Der andere Tourist wird (wie bislang schon) darauf trainiert, während des Fluges in der engen Raumkapsel möglichst wenig Blödsinn zu machen.

Eine Antwort zu Der letzte Clown im All?

  1. Jan sagt:

    Demnächst kommt eine Film-Dokumentation von Christian Frei heraus, der die Weltraum-Touristin Anousheh Ansari begleitet hat, die Ihren Flug zur ISS 2006 absolviert hat. Einen Trailer des Films kann man sich hier anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=BlvQdsoBBxM&fmt=22

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