Der deutsche Vorbehalt

So hätte es aussehen sollen, wenn Deutschland erstmals auf dem Mond landet. (Bild: EADS)

So hätte es aussehen sollen, wenn Deutschland erstmals auf dem Mond landet. (Bild: EADS)

Zugegeben: Die Raumfahrt war keines der Kernthemen im ohnehin seltsam inhaltsleeren Wahlkampf des Jahres 2009. Dass sie großen Raum in den Koalitionsverhandlungen einnehmen wird, war daher auch nicht zu erwarten. Zwei Sätze, insgesamt 21 Worte, war Schwarz-Gelb das Thema im nun ausgehandelten Koalitionsvertrag dann doch wert.

Dort steht, bezeichnenderweise im Kapitel „Nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz“, unter dem Punkt „4.3 Neue Technologien, Industrieland Deutschland“:

Deutschland braucht klare Ziele in der Raumfahrt. Dafür wird eine eigenständige Raumfahrtstrategie mit klaren Missions- und Technologiezielen innerhalb eines Jahres weiterentwickelt.

Also erst einmal vertagen, Zeit gewinnen, Arbeitskreise gründen. Besonders interessant das Wörtchen „weiterentwickeln“. Kann man etwas, das nicht existiert, also eine eigenständige Raumfahrtstrategie, weiterentwickeln? Oder ist das schon ein versteckter Hinweis auf das Ergebnis? Frei nach dem Motto: Null mal irgendwas ist immer noch Null?

Schön auch die raumfahrttypische Redundanz in der dünnen Formulierung: Deutschland braucht demnach nicht nur „klare Ziele“, sondern auch „klare Missions- und Technologieziele“. Das einzig klare an den beiden Sätzen ist die Zeitvorgabe „innerhalb eines Jahres“. Aber falls das nichts wird, lässt sich bestimmt auch eine Argumentation finden. Zum Beispiel, dass Verzögerungen in der Raumfahrt ja irgendwie dazu gehören.

Peterchens Mondfahrt ist abgesagt

Die zunächst geplant Passage, eine unbemannte deutsche Mondmission solle zumindest „geprüft“ werden, ist offensichtlich – wie Spiegel Online berichtet – im Zuge der Verhandlungen wieder aus dem Vertragsentwurf gestrichen worden. Die Mondmission dürfte damit, eigenständige Strategie hin oder her, mal wieder tot sein.

Wenige Wochen vor der Wahl war Raumfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU) noch mit der Idee eines eigenständigen unbemannten Flugs zum Mond vorgeprescht. Flankiert wurde er dabei vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das bei der Begründung des Projekts teilweise dieselben Formulierungen wie Hintze (oder umgekehrt) benutzte. CDU und FDP begrüßten damals das Projekt – ließen sich allerdings auch eine Hintertür offen:

„Im Moment gibt es die Finanzen dafür noch nicht“ (Peter Hintze)

und

„Eine Finanzierung der Mission kann nur über einen längeren Zeitraum, über Umschichtungen im Haushalt und über Beiträge privater Partner erfolgen“ (Ulrike Flach, technologiepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion).

Kein Wunder also, dass jetzt finanzielle Vorbehalte angeführt werden. Wobei der Verweis auf den bösen Finanzminister natürlich eine ziemlich platte Ausrede ist. Wenn ein deutsches Raumfahrtprogramm wirklich politisch gewollt wäre, wenn sich Merkel, Westerwelle und Seehofer, dafür stark machen würden, wären über fünf Jahre verteilt auch die 1,5 Milliarden für den Flug zum Mond aufzutreiben gewesen.

2 Antworten zu Der deutsche Vorbehalt

  1. Jan sagt:

    Deutschland hat aber eine „eigenständige Raumfahrt-Strategie“. Das deutsche Raumfahrtprogramm der ehemaligen Forschungsministerin E. Bulmahn (http://www.bmbf.de/pub/010516drp_www6.pdf) ist zwar schon mehr als acht Jahre alt, aber immerhin! Dieses Programm definiert die „großen Ziele“ der deutschen Raumfahrt. Es ist dann u.a. der Raumfahrt-Agentur des DLR vorbehalten, dieses allgemein gehaltene Programm über konkrete Projekte mit Leben zu füllen – natürlich immer in Abstimmung mit den zuständigen Fachministerien.

  2. skyweek sagt:

    Können wir aufrechten Raumfahrt-Blogger eigentlich irgendetwas unternehmen, damit beim WordPress-Tag „Mond“ nicht immer astrologischer Schwachsinn ganz oben auf der Seite erscheint?

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