Aber meiner ist feuchter

Im Cabeus-Krater auf dem Mond will die Nasa "signifikante Mengen" an Wassereis gefunden haben. (Foto: Nasa/GSFC/Arizona State University)

Im Cabeus-Krater auf dem Mond will die Nasa "signifikante" Mengen an Wassereis gefunden haben. (Foto: Nasa/GSFC/ASU)

Wenn das Geld knapp wird und die Zukunft ungewiss, beginnen für gewöhnlich die Verteilungskämpfe. In der amerikanischen Raumfahrt, über deren Ausrichtung Präsident Obama in den nächsten Monaten entscheiden will, ist das nicht anders. Derzeit dürfte die Variante einer Vision in Führung liegen, die sich flexible path nennt, und sie ist immerhin so flexibel, dass sie um Mars und Mond einen mehr oder weniger weiten Bogen machen wird. Höchste Zeit für die Freunde der beiden Himmelskörper, sich in Stellung bringen. Wie das aussieht, kann man derzeit in den USA sehen.

Vergangenen Freitag hat die Nasa freudig mitgeteilt, dass sie beim gezielten Absturz einer ausgebrannten Raketenstufe auf dem Mond Spuren von Wasser entdeckt hat. Zwar wissen die Forscher noch nicht, wie viel Wasser dort wirklich zu finden ist, zwar sind die Ergebnisse nur vorläufig, zwar sind noch nicht veröffentlicht und schon gar nicht von Fachkollegen begutachtet – die meisten Medien hielt das aber nicht davon ab, ziemlich unkritisch in den Nasa-Jubel einzustimmen.

Selbst vermeintlich seriöse Angebote verstiegen sich zu Überschriften wie „The Moon Is Wet!“. Andere feierten die Aussage von Forschungsleiter Anthony Colaprete, der Mond sei „mindestens so feucht wie die Atacama-Wüste“, als wissenschaftliche Offenbarung. Die Atacama? Wer schon mal versucht hat, den Gipfel des Cerro Paranal im Laufschritt zu erklimmen, wird sich nichts Trockeneres und Lebensfeindlicheres vorstellen können.

Vergangenes Jahr hat die Nasa-Sonde "Phoenix" beim Buddeln im Marssand gefrorenes Wasser entdeckt. (Foto: Nasa/JPL-Caltech/UA/Tamu)

Vergangenes Jahr hat die Nasa-Sonde "Phoenix" beim Buddeln im Marssand gefrorenes Wasser entdeckt. (Foto: Nasa/JPL-Caltech/UA/Tamu)

Egal, die Nasa dürfte es freuen. Gute Schlagzeilen für den Mond sind auch gut fürs bemannte Mondprogramm, das die Raumfahrtbehörde offiziell immer noch verfolgt. Und wenn es dort oben tatsächlich Wasser gibt, dürfte es – so die Hoffnung der Mondfreunde – Obama nicht unbedingt leichter fallen, den Mond in einer künftigen Raumfahrtstrategie außen vor zu lassen. Grinsend verkündete Colaprete daher auch, dass Menschen das Wasser, wenn es denn vom Mondstaub gereinigt würde, durchaus trinken könnten. Und Michael Wargo, der leitende Mondforscher der Nasa, sprach sogar vom „Schlüssel für die weitere Erkundung“ des Mondes.

Wasser? Mehr Wasser!

Die Freunde des Mars können so etwas natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Robert Zubrin, wortgewaltiger Gründer der amerikanischen Mars Society, hält seit dieser Woche dagegen und erklärt der Nasa, dass der Mond nicht das richtige Ziel ist. Der aktuelle Wasserfund sei allenfalls von „geringem wissenschaftlichen Interesse“. Per Ferndiagnose hat Zubrin den Mondforschern auch gleich die Arbeit abgenommen und die Wassermengen auf dem Erdtrabanten berechnet. Sein Ergebnis:

The 30 m crater ejected by the probe contained 10 million kilograms of regolith. Within this ejecta, an estimated 100 kg of water was detected. That represents a proportion of 10 parts per million, which is a lower water concentration than that found in the soil of the driest deserts of the Earth. In contrast, we have found continent sized regions on Mars, which are 600,000 parts per million, or 60% water by weight.

Der Mond, so Zubrin, sei wie Grönland. Diesen Flecken Erde hätten die europäischen Siedler auch als erstes erreicht, mit der Einöde hätten sie allerdings nichts anfangen können. Erst in Nordamerika sei dann eine neue Zivilisation entstanden – so wie in Zukunft auch auf dem Mars.

Es dürfte nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein. Egal, wie viel Wasser auf Mond oder Mars tatsächlich zu finden ist: Für eine kleine Schlammschlacht auf Erden reicht es allemal.

2 Antworten zu Aber meiner ist feuchter

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Lars Fischer and Alexander Stirn, Marcus Anhäuser. Marcus Anhäuser said: RT @Stirn: Aber meiner ist feuchter – Der Kleinkrieg zwischen Mond- und Marsfreunden um den attraktiveren Himmelskörper http://is.gd/4Y7mh […]

  2. […] Alexander Stirn betreibt das Blog Alles was fliegt und berichtet in seinem neuesten Beitrag “Aber meiner ist feuchter” von den knapper werdenden Budgets der NASA, der daraus resultierenden […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: