Glückwunsch, alte Dame!

Ein echtes Christkind: Die Ariane 1 startet zum ersten Mal. (Foto: Esa/Cnes/Arianespace)

Ein echtes Christkind: Die Ariane 1 startet zum ersten Mal. (Foto: Esa/Cnes/Arianespace)

An Heiligabend 1979, um exakt 18.14 Uhr deutscher Zeit, machte sich Europa auf ins All. Vom französischen Weltraumzentrum in Kourou startete erstmals eine Ariane-Rakete in den blauen Himmel über Französisch-Guyana. 30 Jahre und viele Rückschläge später hat sich die Ariane zu einer der wichtigsten und zuverlässigsten Trägerraketen gemausert. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Eigentlich sollte die Ariane 1 ja gar kein Christkind werden. Bereits am 15. Dezember 1979 feuerten ihre vier Triebwerk und entwickelten vollen Schub. Trotzdem blieb die 47 Meter hohe Rakete beinahe regungslos auf ihrem Starttisch stehen – die massiven Halteklammern hatten sich nicht gelöst. Der zweite Versuch am 23. Dezember musste 58 Sekunden vor dem geplanten Start abgebrochen werden. Das Wetter spielte nicht mit. Raketenalltag. Und so wurde es eben Heiligabend.

Vor allem die Franzosen jubelten. Noch aus der Zeit der Präsidentschaft von Charles de Gaulle stammte die Vorgabe, dass sich Europa einen autonomen Zugang zum All verschaffen sollte – unabhängig von den USA und der Sowjetunion. Eine Aufgabe, die Arianes Vorgängerin, die Europa-Rakete, nicht einmal ansatzweise erfüllen konnte: Von vier Startversuchen schlugen vier fehl. Der Ariane 1 gelangen zwischen 1979 und 1986 immerhin neun von elf Starts.

Die erste Ariane 1 kurz nach dem Start. (Foto: Esa)

Die erste Ariane 1 kurz nach dem Start. (Foto: Esa)

Wer heutzutage mit der Esa oder mit Arianespace unterwegs ist, merkt schnell, dass das europäische Raketengeschäft noch immer fest in französischer Hand ist. Und wahrscheinlich ist das auch sein Erfolgsgeheimnis: Nach den großen Problemen und Qualitätsmängeln in der Anfangszeit der Ariane 5 (Absturz beim Erstflug im Juni 1996 und sechs Jahre später beim ersten Flug der aufgemotzten ECA-Variante), die knapp eine Milliarde Euro kosteten und fast das komplette Programm zum Absturz brachten, einigten sich die Beteiligten auf eine klare Verteilung der Aufgaben: Die deutsche EADS Astrium baut federführend die Raketen, die im Grunde französische Arianespace kümmert sich ums Geschäftliche. Immerhin können so Reibereien und Rückschläge wie sie Airbus, das andere gesamt-europäische Prestigeprojekt, immer wieder hinnehmen muss, weitgehend vermieden werden.

Die Auftragsbücher sind, so ist zu hören, jedenfalls gut gefüllt. Im nächsten Jahr soll die kleine, hauptsächlich von Italien vorangetriebene Vega-Rakete das erste Mal in Französisch-Guayana starten. Und auch die russische Sojus soll, mit vielen Jahren Verzögerung, von Kourou aus abheben. Es wäre der erste Sojus-Start in der westlichen Hemisphäre, und er würde die Nutzlast-Lücke schließen, die die eingestellte Ariane 4 hinterlassen hat.

Auch die Multimedia-Etats von Esa und Arianespace waren am Jahresende noch ziemlich voll. Neben einer wirklich sehenswerten Geburtstag-Webseite haben Europas Raketenmanager ihrer alten Dame auch zwei Filme spendiert:

Einen heroischen…

…und einen kitschigen:

Also: Nochmals Glückwunsch!

3 Antworten zu Glückwunsch, alte Dame!

  1. […] Glückwunsch, alte Dame! « Alles was fliegt. Print Friendly […]

  2. handyakku sagt:

    Tja, man wundert sich mit was für alter Technik noch in den Weltraum geflogen wird. Hier unten laufen wir mit Telefonen in der Tasche herum, sind dauernd online, telefonieren teilweise schon nur noch über das Internet – aber in den Orbit gehts nur mit Technik aus den 60er und 70er Jahren.

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