Die vergessene Vision

Das waren noch Zeiten, als das große Ziel darin bestand, die ersten Spuren auf einem anderen Himmelskörper zu hinterlassen. (Foto: Nasa)

Das waren noch Zeiten, als das große Ziel darin bestand, die ersten Spuren auf einem anderen Himmelskörper zu hinterlassen. (Foto: Nasa)

Man kann viel Schlechtes über George W. Bushs „Vision“ sagen, im Jahr 2020 wieder einen amerikanischen Astronauten auf dem Mond abzusetzen. Man kann kritisieren, dass Bush sehr schnell wieder das Interesse daran verloren hat. Dass es ihm zu keinem Zeitpunkt gelang, Begeisterung für seine Pläne zu entfachen. Dass das ganze Unternehmen von Anfang an unterfinanziert war. Dass der Mond als Ziel eh uninteressant ist. Aber eines muss man Bush lassen: Er hatte in puncto Raumfahrt zumindest so etwas wie eine Vision. Bei Obama sieht das ganz anders aus.

Nachdem er viele Monate lang kein Wort über die Nasa verloren hatte, hat Barack Obama heute seinen Budgetentwurf für das (am 1. Oktober 2010) startende Haushaltsjahr 2011 vorgestellt. Darin verlangt er nicht nur 19 Milliarden Dollar für die Agentur (nach zuletzt 18,3 Milliarden). Er möchte Bushs „Vision for Space Exploration“ und das damit zusammenhängende Constellation-Programm auch komplett tilgen.

Das ist sein gutes Recht, immerhin ist er der Präsident (und er muss sich seine Pläne eh noch vom Kongress genehmigen lassen). Problematisch wird es, wenn man sich anschaut, was Obama stattdessen will. In der Kurzfassung seines Haushaltsentwurfs fordert er:

[…] a bold new approach that embraces the commercial space industry, forges international partnerships, and develops the game-changing technologies.

“Bold” klingt natürlich gut, ganz besonders in den Ohren von Star-Trek-Fans. Aber ansonsten sind diese Ziele von einer Vision mindestens so weit entfernt wie der Delta-Quadrant von Cape Canaveral.

Sicher: Internationale Kooperation ist in Zeiten knapper Kassen und einer enger zusammenrückenden Welt vernünftig. Die Privatisierung der bemannten Raumfahrt ist ein durchaus gewagter, aber auch sinnvoller Schritt – vor allem schafft sie Arbeitsplätze, und die sind Obama viel, viel wichtiger als der Weltraum. Vernünftig, sinnvoll, ja klar. Aber all das ist nichts, was die Menschen fasziniert, in ihren Bann zieht, für die bemannte Raumfahrt begeistert.

Wo ist das große Ziel, das für Fortschritt und Enthusiasmus unerlässlich ist? Wo sind die großen Abenteuer? So wie damals der erste Mensch im All, der erste Mensch auf dem Mond, die erste Raumstation, der erste Shuttle-Start. Ist die Aussicht, eines Tages vielleicht mal an einem Asteroiden vorbeizufliegen, wirklich so verlockend. Und wenn ja, warum wird sie dann nicht offensiv kommuniziert?

Jährliche Ausgaben für die Nasa als Prozentsatz der gesamten Ausgaben im US-Staatshaushalt. Quelle: Guardian/OMB

Jährliche Ausgaben für die Nasa als Prozentsatz der gesamten Ausgaben im US-Staatshaushalt. Quelle: Guardian/OMB

Für Obama steht, wie für die meisten Politiker, Raumfahrt lediglich für Standort- und Wirtschaftspolitik, für Arbeitsplätze und Wirtschaftsförderung. Ein Vehikel, um wiedergewählt zu werden. Doch so funktioniert bemannte Raumfahrt mit ihren extrem langen Entwicklungszyklen nicht. Heute müssten eigentlich die Weichen für das gestellt werden, was nach 2020, was nach dem Ende der Internationalen Raumstation kommen wird.

Doch dafür bräuchte es nicht nur die Bereitschaft, über die eigene Amtsperiode hinaus zu denken, es bräuchte auch eine Vision für die Zukunft.

2 Antworten zu Die vergessene Vision

  1. […] Stirn zeigt auf seinem Blog Alles was fliegt in dem Artikel Die vergessene Vision wie die Welt die aktive Astronomie und Raumfahrt sieht. Die Prioritäten verschieben sich. Der […]

  2. […] Den Republikanern, sonst nicht des Sozialismus verdächtigt, ging die von Obama ins Spiel gebrachte Privatisierung der bemannten Raumfahrt zu weit. Den Demokraten ging es vor allem um Arbeitsplätze – um die Jobs, die in ihren […]

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