Ein Bild von einem Held

28. Mai 2009
Gern gesehen: Charles Boldens offizielles Astronautenfoto aus dem Jahr 1990. (Foto: Nasa)

Gern gesehen: Charles Boldens offizielles Astronautenfoto aus dem Jahr 1990. (Foto: Nasa)

Wenn in den USA ein neuer Minister ernannt wird, ein CIA-Chef oder ein Verfassungsrichter, würden die deutschen Medien wie selbstverständlich ein 19 Jahre altes Foto von dem Mann zeigen? Und warum machen sie es dann beim designierten Nasa-Administrator?

Als Barack Obama vergangenen Samstag Charles Bolden zum künftigen Nasa-Chef erkor (was nach den Spekulationen der Tage und Wochen zuvor alles andere als überraschend kam), zeigten die deutschen Online-Medien den Neuen durch die Bank im schnieken Nasa-Overall – ohne zu erwähnen, dass das Archivbild bereits 1990 entstand, kurz vor Boldens zweiter Shuttle-Mission STS-31.

Warum? Bequemlichkeit? Gedankenlosigkeit? Oder das schmucke, immer wieder gern gesehene Astronauten-Outfit? Ein Held, inklusive Sternenbanner im Hintergrund?

An mangelnden Alternativen kann es nicht wirklich gelegen haben. Zwar gibt es nicht viele aktuelle Bilder von Bolden (obwohl seine Nominierung absehbar war, aber das hatten wir ja schon), bei Getty finden sich aber durchaus einige Aufnahmen – zum Beispiel von einem China-Besuch im Jahr 2005. Dass die durchaus zu finden – und auch zu nutzen – sind, beweist unter anderem der Online-Auftritt vom Time Magazine


Der Chef-Check: Bolden vs. Dordain

24. Mai 2009

Zugegeben, es ist irgendwie unfair, die Chefs von zwei so grundverschiedenen Organisationen wie der US-Raumfahrtbehörde Nasa und ihrem europäischen Pendant Esa zu vergleichen. Also, machen wir’s trotzdem, rein subjektiv versteht sich. Schließlich sagen die Köpfe an der Spitze auch viel über ihre jeweilige Organisation aus, über Ziele und Selbstverständnis. Und noch – so kurz nach der Nominierung Charles Boldens zum neuen Nasa-Chef – ist über Beide etwa gleich viel bekannt.

Nasas Neuer: Charles Bolden (Foto: Nasa)

Nasas Neuer: Charles Frank Bolden Jr. (Foto: Nasa)

Esas Amtierender: Jean-Jacques Dordain (Foto: Esa/Sebirot)

Esas Etablierter: Jean-Jacques Dordain (Foto: Esa/Sebirot)

Beruf

General a. D.

Raumfahrtingenieur

Lebenslauf

Vietnamveteran, Testpilot, Astronaut, Held. Beinahe Vize-Nasa-Chef, Lobbyist, Pensionär.
Grußonkel des Shuttle-Vergnügungsparks in Cape Canaveral

Entwicklung von Raketenantrieben, Manager beim französischen Raumfahrtzentrum,
Manager bei der Esa. Grußonkel bei allen Esa-Starts

Dienstantritt

Demnächst, höchstwahrscheinlich

seit Juli 2003 (bis mindestens 2011)

Raumfahrt-Erfahrung

Vierfacher Space-Shuttle-Astronaut, setzte während seiner Flüge unter anderem das Weltraumteleskop Hubble im kalten, dunklen Weltraum aus. Verbrachte 680 Stunden und 37 Minuten im All.

Beinahe-Astronaut, gehörte zu den ersten fünf französischen Kandidaten,
blieb dann aber doch am Boden. Durfte einmal Neil Armstrong auf genau den Fuß treten, der als erstes auf dem Mond stand.

Länge des englischen Wikipedia- Eintrags (24. Mai 2009, 12.39
Uhr)

6896 Zeichen

735 Zeichen

Böses Gerücht

Kam nur zu dem Job, weil sein ehemaliger Shuttle-Kollege Bill Nelson,
heute ein einflussreicher demokratischer Senator, keinen anderen akzeptiert hat.

Kam nur zu dem Job, weil mal wieder ein Franzose an der Reihe war.

Größte Herausforderung

Die Vision eines Präsidenten zu erfüllen, der noch nicht weiß, was
seine Vision in Raumfahrtdingen überhaupt ist (oder es zumindest erfolgreich für sich behält).

Es allen 18 Esa-Mitgliedsstaaten (und demnächst sogar noch mehr) Recht
zu machen.

Dafür verfügbares Budget

etwa 13 Milliarden Euro

etwa 3 Milliarden Euro

Vision

Vision? Obama fragen!

Vision? Für Visionen ist in Europas Raumfahrt kein Platz.

Lieblingssatz

„Raumfahrt ist ohne Risiko nicht möglich.“

„Das müssen die Mitgliedsstaaten entscheiden.“